IN SAN DANIELE DEL FRIULI
Ausgehend vom 15. Jahrhundert bis zu den ersten Jahrzehnten des 20. Jhs. besaß San Daniele del Friuli eine relativ große und gut organisierte jüdische Gemeinde. Die ersten Juden, die sich in San Daniele angesiedelt hatten, waren die Nantoa. Im Jahr 1547 erhielt Simon Nantoa, der bereits in einigen Dokumenten von 1523 erwähnt worden ist, die erste ordnungsgemäße Erlaubnis vom Patriarchen Giovanni Grimani, Geld zu verleihen. Diese erneuerbare Erlaubnis, die die Pfandgeschäfte genau regelte, gestattete es dem Verleiher und seiner Familie, für fünf Jahre das Wohnrecht zu erhalten. Den Nantoa folgten die Luzzatto deutschen Ursprungs, die das Pfandhaus bis zur Aufhebung im Jahr 1714, in Zuge der Gründung von Monte di Pietà, führten.
Die Juden übten verschiedene Tätigkeiten aus: Pfandleihe, Handel mit Futtergetreide, Getreide und Tabak, Seidenspinnerei und Verkauf von Kokons, Verkauf von Eisenwaren und Gebrauchtwaren, verschiedene handwerkliche Tätigkeiten, Tierzucht, Goldschmiedekunst und Bienenzucht. Ärzte, die seit 1549 dokumentiert sind und die ihren Beruf gekonnt ausübten, zeichneten die jüdische Gemeinde aus.
In San Daniele lebten die Juden unter recht guten wirtschaftlichen Bedingungen und waren niemals in einem Getto. Ihre Wohnungen befanden sich überall in der Stadt. Unter dem Patriarchat von 1445 bis 1751 lässt sich das Verhältnis gegenüber Juden, aufgrund der Intoleranz jener Zeit, als wohlwollend bezeichnen. Es gab allerdings einige Einschränkungen: das Verbot sich auf den Platz während christlichen Festen zu begeben sowie die Verpflichtung, die Fenster beim Vorbeiziehen religiöser Prozessionen zu schließen. 1700 erlebten die Juden einen besonders glücklichen Moment: sie errichteten die Synagoge und erhielten ein Stück Land für einen Friedhof. Mit der Aufhebung des Patriarchates im Jahr 1751 und vor allem nach dem Tod des letzten Patriarchen Daniele Dolfin im Jahr 1762, änderte sich ihre Situation relativen Wohlstandes radikal. Im Jahr 1777 sah die Ricondotta (Judengesetze) die Ausweisung sämtlicher Juden unter Venedig vor, die kein Wohnrecht besaßen und die nicht in einem Ghetto wohnten. Viele Juden aus San Daniele wurden daher zum Exil gezwungen.
Der jüdische Kern in San Daniele bestand hauptsächlich aus den Familien Nantoa, Luzzatto und Gentilli, während die Sullam, Capriles, Caravaglio sowie die Lolli nur für kürzere Zeiträume in der Stadt leben durften. Die Gentilli waren die letzten, die San Daniele in den Dreißiger Jahren des 20. Jhs. verließen.
Die Synagoge war der Ort des Studiums, der Begegnung und des Gebetes. Sie befand sich in einem Hof, der von den Häusern nahe der heutigen Piazza Cattaneo, früher auch als „Piazza degli Ebrei” – Judenplatz – bekannt, umgeben war. Während des Ersten Weltkrieges entstanden an der Synagoge beachtliche Schäden und Abtragungen, vor allem während der österreichisch-deutschen Besatzung, als diese sogar als Pferdeunterstand diente. Der Reliquienschrein, die Bücher und Kirchengeräte, die man vor den Verwüstungen retten konnte, wurden nach Udine und im Jahr 1948 nach Jerusalem in das Museum der Synagoge nach italienischem Ritus gebracht, wo sie heute noch für das Publikum zu sehen sind. In den Sechziger Jahren wurde der kleine Tempel Ashkenazita (deutsches Ritual) zerstört.
DER FRIEDHOF:
Zu Beinn von 1700 hatte der jüdische Friedhof in Udine in der Calle Agricola seine Aufnahmekapazität erschöpft. Im Jahr 1734 wurde der Gemeinde in San Daniele ein Gemeindegrundstück verpachtet, um daraus einen Friedhof zu machen. Der heute noch bestehende Ort befindet sich auf offenem Feld, in der Nähe des Sees und des Ripudio-Bachs, als „La Merenda” bekannt, weil man hier in früheren Zeiten die Jause einzunehmen pflegte. Der Friedhof liegt außerhalb des Ortszentrums, weil die Behörden ein Grundstück extra muros für die Grabstätten der Juden zur Verfügung stellten, so dass man diese deutlich von jenen der Christen unterscheiden konnte. Nach langen Verhandlungen wurde im Jahr 1735 der Pachtvertrag ratifiziert, allerdings durften am Friedhof nur die Verstorbenen begraben werden, die in dem Gebiet ansässig waren. Im Jahr 1751 wurde das Grundstück gekauft und die Juden konnten ihre Toten frei beerdigen, und zwar unabhängig von ihrer Herkunft. Der älteste Grabstein ist von Ester di Baruch Luzzatto vom 19. März 1742.







